BERLIN. DIE SINFONIE DER GROßSTADT

Deutschland, 1927, Experimental

BERLIN. DIE SINFONIE DER GROßSTADT war zur Zeit seiner Uraufführung ein revolutionäres, avantgardistisches Filmexperiment. Heute gilt der virtuos geschnittende Stummfilm als ein Klassiker der Kinogeschichte. Er schildert einen Tag in der Metropole Berlin und ist geprägt vom rasanten Lebensgefühl der 1920er Jahre und von der Faszination am beschleunigten Tempo des städtischen Lebens. Es ist ein Film, der ohne Schauspieler auskommt und dessen letztendlicher Hauptdarsteller Berlin ist, der Gigant, der Moloch.

Das zum Teil mit versteckter Kamera aufgenommene Leben und Treiben an einem gewöhnlichen Arbeitstag von morgens bis in die Nacht ist am Schneidetisch nach musikalischen Prinzipien als ‘Sinfonie’ mit Sätzen, in verschiedenen Tempi neu zusammengesetzt. Die eigens für den Film komponierte Musik von Edmund Meisel, bemüht sich, so der Komponist, “mit möglichst großer Objektivität den Rhythmus und die Melodie jedes Vorgangs dieses schon an sich musikalisch aufgebauten Filmes niederzuschreiben.”

Bewegtes Wasser verwandelt sich in abstrakte Wellenlinien. Diese überschneiden sich zu Geraden, die ein Bahngleis symbolisieren. Ein Fernzug fährt durch eine frühmorgendliche Landschaft. Ein Schild ‚Berlin 15 km‘ zeigt den Zielort an. Neben dem Bahndamm tauchen Wohnhäuser und Fabriken auf. Häuserschluchten, Signalanlagen. Der Zug rollt in den Anhalter Bahnhof ein. Was nun folgt, ist der chronologische Zeitablauf zwischen Fünf Uhr früh und spät nachts des Berlin von 1926, denn Thema des Films ist das komplexe Gebilde der Großstadt selbst: die Stadt als Maschine, die früh am Morgen angeworfen und spät nach Mitternacht abgestellt wird, eine Maschine deren Rhythmus die Menschen determiniert. Dem Film geht es darum, Tempo und Hektik der Weltstadt zu dokumentieren und so ein fast mythisches Bild von Berlin als Symbol der Moderne zu evozieren: Luxus, Lichtreklame, Autoverkehr, Prostitution, Tanz, Varieté, Film, Radio, Berg- und Talfahrt auf dem Rummelplatz, und dazwischengeschnitten kurz der Selbstmord einer unbekannten Frau, die von einer Brücke springt.

Kompostionen:

Edmund Meisel / Mark-Andreas Schlingensiepen (1990)

Ensemble (16 Musiker)
Besetzung: 2.2.2+asx.1 – 2.1.1.0 – 2perc – pno – db
Dauer: 65 min.
fps sync: 20

Klavierauszug Edmund Meisel, synchron eingerichtet und ergänzt von Bernd Thewes (2007)

großes Orchester (ab 46 Musiker)
Besetzung: 2+Picc.2+ca.2+bcl.ssax.tsx.2+cbn – 4.3.3.1 – timp.perc.JazzCombo: cnt.tsx.tbn.pno.acn.bjo.db.dmkit – hp.cel+pno-strings
Dauer: 65 min.

Aufführungen (Auswahl):
03.06.2020 Dortmunder Philharmoniker / Konzerthaus Dortmund
15.03.2017 Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Alte Oper Frankfurt (LANGE NACHT)
29.10.2015 Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Admiralspalast Berlin
26.09.2015 Orchestre Philharmonique de Strasbourg / Paris
02.10.2015 Orchestre Philharmonique de Strasbourg / Strasbourg
27.06.2015  Philharmonie Essen / Theater und Philharmonie Essen
22.03.2015 Konzerthaus Berlin