MUSIK FÜR VAMPIRE UND FÜR DEN TRAMP

So farbenfroh das Herbstlaub ist, so vielfältig ist das Repertoire, das in den kommenden Wochen als FilmKonzert vorgestellt werden wird. Die Aufführung von NOSFERATU (1921), Friedrich Wilhelm Murnaus unautorisierter Verfilmung von Bram Stokers Roman DRACULA, liegt – wie passend! – in zeitlicher Nähe zu Halloween. Doch diesmal wird der Untote nicht mit der Originalmusik aus dem Jahr 1921 begleitet, sondern mit den unheilverkündenden Klängen aus der Feder des britischen Komponisten James Bernard (1997). Bernard, der den Sound der Horrorfilme aus den Hammer Studios entscheidend gestaltete, erbaute eine hörbare Brücke aus expressionistischem Horror zwischen Christopher LeePeter Cushing und dem ikonischen Max Schreck.

Das FilmKonzert NOSFERATU ist die erste von zwei Aufführungen in Lateinamerika in diesem Herbst. Auf das Vampir-Konzert in La Paz (Bolivien) folgt eine Aufführung von DIE BÜCHSE DER PANDORA in São Paolo (Brasilien). Die hochgelobte Leinwandfassung von Frank Wedekinds Drama (Regie: Wilhelm Pabst) zeigt den ultimativen tragischen Vamp der 1920er-Jahre, Schauspielerin Louise Brooks, in der Rolle der sinnlichen Lulu. Abermals verbindet eine nachträglich geschriebene Filmmusik zwei entfernte – und doch ähnliche – Universen. Für die Vertonung von DIE BÜCHSE DER PANDORA zeichnet Peer Raben verantwortlich, bekannt durch seine berauschenden Kompositionen für die Filme von Rainer Werner Fassbinder; die PANDORA-Musik glänzt vor Lust, Leidenschaft und Intrige.

Eine enge Verbindung mit Lateinamerika hat auch die bislang letzte Restaurierung von Fritz LangMETROPOLIS (1927). Vor zehn Jahren wurden ungefähr 25 Minuten verschollen geglaubtes Filmmaterial in Buenos Aires (Argentinien) gefunden und erlaubten es der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und ihren Partnern, eine vervollständigte Filmfassung herzustellen. Mit derselben Sorgfalt rekonstruierte Frank Strobel die Originalmusik von Gottfried Huppertz und richtete sie für Live-Aufführungen ein. Nach einer herausragenden Darbietung im vergangenen Monat mit dem Spanischen Nationalorchester wird die Musik eine weitere Aufführung erleben, diesmal in Trier; Jochem Hochstenbach dirigiert das Philharmonische Orchester Trier.

Die FilmKonzerte DER ROSENKAVALIER (1926) in Lugano (Schweiz) und DAS NEUE BABYLON (1929) in Kristiansund (Norwegen) gewähren Ihnen einen Vergleich der Kompositionen von Richard Strauss und Dmitri Schostakowitsch für Bühne und Leinwand. Das Meisterwerk THE GOLD RUSH (1925) zeigt Charlie Chaplin als Darsteller, Regisseur und talentierten Klangschöpfer. In den Worten von Timothy Brock, einem ausgewiesenen Chaplin-Experten, enthält die Musik für THE GOLD RUSH, „was ich an Chaplins Schreiben am meisten mag. Die Musik ist so frei und, zumindest in meinen Ohren, eine seiner tiefgehendsten und dunkelsten Kompositionen.“ Nicht weniger bedeutsam sind die Zitate von und Anklänge an TschaikowskyBrahms und Rimsky-Korsakov.

Ob nun die Originalmusiken aus der jeweiligen Zeit erklingen oder gar lebendige musikalische Nachempfindungen – wir hoffen, dass Ihnen diese und die vielen anderen Filme eine große Freude bereiten.
Ihre FilmPhilharmonie