AKTION UND FRIEDEN

Pünktlich zum einhundertsten Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs präsentieren die Europäische FilmPhilharmonie und ihre Partner zwei Meilensteine des Anti-Kriegs-Kinos im Konzert. Am Freitag, den 14. September, dirigiert Frank Strobel im Rahmen des diesjährigen Musikfests Berlin das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zu Abel Gance’s J’ACCUSE (1919). Der Film, in den Turbulenzen der letzten Kriegsmonate entstanden, setzt Pazifismus über Patriotismus. Regisseur Abel Gance behandelt visuelle Poesie und politische Substanz gleichermaßen souverän und verleiht dem Film dadurch Relevanz auch für unsere Zeit. Die aufwändig restaurierte Filmkopie (von EYE Amsterdam und Lobster Films) wird von einer neu komponierten Partitur des französischen Komponisten Philippe Schoeller begleitet, die 2014 vom ZDF/ARTE in Auftrag gegeben wurde. Schoeller, zu dessen Mentoren Pierre Boulez und Iannis Xenakis gehören, setzt ein großes symphonisches Fresko ein, das mit elektronischen Live-Klängen angereichert ist, die vom Komponisten selbst aufgeführt werden. „Die Musik strebt danach, das Unsagbare zu enthüllen“, erklärt Schoeller. „In J’ACCUSE basiert sie manchmal auf der unendlichen Süße der Liebe, manchmal auf der Gewalt des Krieges oder auf der Suche nach Frieden, indem sie jedem Thema spezifische Rhythmen, Dynamiken oder instrumentale Texturen, harmonische Spannungen oder Energieverhaltensweisen verleiht, die je nach Moment variieren.“
 

Am 14. Oktober wechselt Frank Strobel mit Charles Chaplins SHOULDER ARMS (1918) in Begleitung des Athens State Orchestra von der Tragödie zur Komödie. Charlie Chaplins eigene Partitur wird zu diesem frühen Meisterwerk live aufgeführt, in dem Chaplin das traditionelle Geschichtenerzählen von Heldentaten mutig parodiert. Die Wanderung des als Baumstamm getarnten Tramps durch die deutschen Linien bleibt als Filmjuwel in Erinnerung. Als Begleitung zu Chaplins Werk enthält das Programm vier Stücke, die eng mit dem Ersten Weltkrieg verbunden sind: „Mars“ aus Gustav Holsts Symphonischer Suite THE PLANETS (komponiert zwischen 1914 und 1918), Ausschnitte aus Maurice Jarres Partitur für LAWRENCE OF ARABIA und Jerry GoldsmithTHE BLUE MAX und, um das Programm abzurunden, Maurice RavelLA VALSE (1920), eine Nacherzählung der Raserei und des Zusammenbruchs der westlichen Zivilisation am Rande des Krieges … mit dem Walzer als musikalischem Symbol.
 

Zwischen diesen beiden Konzerten erkundet Frank Strobel auf dem Zurich Film Festival Perlen der zeitgenössischen Filmmusik. Für die diesjährigen Konzerte (4. und 5. Oktober) haben wir ein neues Programm zusammengestellt, das die Musiker des Tonhalle-Orchesters Zürich mit eindrucksvoller Filmmusik rund um das Thema THRILLERS herausfordert. Das Programm umfasst bahnbrechende Originalpartituren für moderne Klassiker – Howard ShoreSEVENAlexandre DesplatTHE GHOST WRITERJerry GoldsmithBASIC INSTINCT– sowie „klassische“ Filmmusiken, die in postmodernen Krimi- und Noir-Filmen wiederentdeckt wurden – wie Bernard Herrmanns und Billy Mays Musiken, die in TarantinoKILL BILL verwendet werden, oder Riz Ortolanis mitreißender Song „Oh My Love“, wie er in DRIVE wiederentdeckt wurde. Musik von MISSION: IMPOSSIBLE-Komponist Lalo Schifrin, dem in wenigen Monaten ein Ehren-Oscar verliehen wird, schließt das Konzert ab. Cliff Martinez, Juryvorsitzender des Filmmusikwettbewerbs, wird mit Ausschnitten aus seiner Musik zu Steven SoderberghTHE UNDERNEATH (1995) und der Uraufführung einer eigens für diesen Anlass von Stefan Behrisch arrangierten Suite aus der aktuellen Krimikomödie GAME NIGHT gefeiert.

Ob in ruhiger oder in aufgeregter Stimmung – wir hoffen, Sie in den Konzertsälen zu sehen.

Ihre FilmPhilharmonie