ERINNERUNG AN PETER THOMAS (1925-2020)

von Beate Warkentien

Mit der Nachricht über den Tod von Peter Thomas kamen mir die schönen Begegnungen mit ihm wieder ins Gedächtnis zurück. In der Würdigung eines besonderen Menschens möchte ich unsere Geschichte mit ihm und die Bedeutung für die Europäische FilmPhilharmonie mit Ihnen teilen.

Die Europäische FilmPhilharmonie feierte ihr fünfjähriges Bestehen 2005. Ein breiter Stummfilmkanon als FilmKonzerte stand bis dahin für Orchester zur Verfügung. Jedoch TonfilmKonzerte gab es noch kaum.

2005 lernte ich auch meinen zukünftigen Ehemann kennen. Er ist Professor für Informatik und hat als Junge die RAUMPATROUILLLE ORION 1968 gebannt im Fernsehen verfolgt. So kam die Anregung von ihm, aus dem Stummfilmformat herauszutreten und sich einmal an einen Tonfilm der jüngeren Filmgeschichte als FilmKonzert zu wagen.

Wir hatten Glück. Ein paar Jahre zuvor wurde aus der sechsteiligen Serie ein 90-minütiger Kinofilm produziert und geschnitten. Ich begab mich auf die Reise, die Protagonisten dieser Produktion – den Produzenten, Stephan Reichenberger und natürlich Peter Thomas als Komponist – für dieses Vorhaben zu interessieren.

So kam es, dass ich in einem angesagten Künstlerlokal nähe Savignyplatz in Berlin Peter Thomas und seinen Verleger von Ring Musik zum ersten Mal traf und ich einen bis dahin schönsten Abend meines beruflichen Lebens erleben durfte. Ich traf auf einen der großzügigsten, inspirierendsten und unterhaltsamsten Menschen: Peter Thomas.

Die große Ära des Jet-Sets der 60er und 70er wehte mich an. – Grünwald, Kitzbühl, St. Tropez, Lugano. – Mit seinem Berliner Sprachduktus rollte er die verschiedensten Themen vor uns auf und war auch sehr an unserer Meinung interessiert. Thema Urheberrecht, neue Musikformen, Klassik auf den Kopf zu stellen. Das waren seine Kernthemen, die ihn bis zu meinem letzten Telefonat mit ihm im Februar 2019 nicht losließen.

Die RAUMPATROUILLE ORION – RÜCKSTURZ INS KONZERT fand 2006 ihre Premiere mit dem Berlin Jazz Orchestra unter der Leitung des Big Band Leiters Jiggs Whigham und Marc Secara als Sänger auf der damals größten In-Door LED-Wand im T-Mobile Zentrum in Bonn.
Es wurde eine Premiere, die sogar im Weltall Beachtung fand: Thomas Reiter, gerade als Astronaut auf Erkundung des Universums unterwegs, schickte uns für die Eröffnung des Abends aus der Internationalen Weltstation ISS eine Grußbotschaft per Video für die „Premiere in Bonn“. Helge Schneider saß im Publikum. Der Erfolg war so überwältigend, dass die großen Tanz- und Musicalproduzenten BB-Promotion das Werk zwei Jahre später eine Woche in der Kölner Philharmonie in ihr Sommerfestival aufnahmen.

Der Weg in die Konzerthäuser für alle Tonfilme, deren Musik den Film trägt, war bereitet.

MATRIX LIVE unter der Leitung von Frank Strobel sollte unsere nächste Produktion werden. Diese erreichte ein Publikum in Europa, USA, Asien und Australien bis in das Jahr 2020.

Und Peter Thomas? Unermüdlich blieb er bis zum Schluss, mich mit den Aufnahmen seiner Musik zu versorgen und immer wieder den Zusammenschluss von klassischer Musik, Jazz, DJ Formen zu fordern. UND – dass die Künstler vor Nachahmung und Plagiat zu schützen seien und in der Zeit des Massenhörens ihr ihnen zustehendes Entgelt erhalten. Dafür sollen im Wesentlichen die GEMA und die Rechtsanwälte der Verlage sorgen. Das war sein Lebensthema und es wird nur gerecht sein, dass diese auch in der Zukunft nicht aus dem Fokus geraten.

Seine Musik tönte immer wieder durch unsere Büroräume im Zentrum Berlins; es war schön zu sehen wie auch das junge filmphilharmonische Team sich von seiner Musik inspirieren und mitreißen ließ.

Peter Thomas bekam seit dem 1. Dezember 2006 zu jedem Geburtstag einen Blumenstrauß von uns. In return erhielten wir jeden Dezember einen original Dresdner Christstollen von Kreutzkamm. Peter Thomas – Ihr Spirit, Ihre Geisteshaltung wird uns im Herzen und auf der Erde fehlen.

Machen Sie es gut, lieber Herr Thomas.

Stets Ihre Beate

Erinnerungsstücke von Peter Thomas: seine unverwechselbare Art, Briefe und E-Mails zu verfassen
Suite aus Raumpatrouille Orion
Hamburger Symphoniker
Frank Strobel, Dirigent
Laeiszhalle (Hamburg)
25. und 26. September 2006
(Live-Aufnahme)